Dunkle Wolken
Sie hatte soeben den Rasen gemäht und das Haus durch die Terrassentür betreten. Erschöpft ließ sie sich auf das Sofa im Wohnzimmer nieder und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Kein vernünftiger Mensch konnte ernsthaft auf die Idee kommen, sich bei dieser Hitze mit Gartenarbeit zu beschäftigen. Aber irgendwann mußte es ja gemacht werden. Außerdem war der Zeitpunkt günstig, denn ihr Mann war gerade auf Geschäftsreise, er sollte nicht vor Ende der Woche zurückkehren. Und sie haßte, wenn er sie so sah, ausgepumpt und naß vor Schweiß. Niemand war in diesem Zustand attraktiv. Am allerwenigsten sie selbst. Doch das stimmte nicht ganz. Ein verschwitzter gut gebauter männlicher Körper konnte ihr durchaus gefallen. Sie schloß gerade die Augen, als ein dunkler, schwerer Wagen die Auffahrt ihres Hauses hinauffuhr. Es kam nur selten Besuch, seitdem sie umgezogen waren. Ihre alten Freunde scheuten den weiten Weg hier raus. Schließlich lag ihr neues Haus, das sie vor kurzem gekauft hatten, eine Autostunde entfernt von der Großstadt, in der sie ihr bisheriges Leben verbracht hatte. Dafür aber hübsch eingebettet in der hügeligen Landschaft der umliegenden Weideflächen. Ihr Mann hatte es so gewollt. „Hier habe ich endlich meine Ruhe“, sagte er immer wieder, wobei jedesmal ein warmherziges Lächeln über seine Lippen glitt. „vor Lärm und Streß. Und nervenden Mitmenschen.“. Irgendwie konnte sie ihn ja verstehen, denn als Anwalt hatte er ständig mit schwierigen Leuten zu tun. Andererseits fühlte sie sich oft sehr, sehr verlassen in dieser Einsamkeit, da er für gewöhnlich morgens wegging und erst abends zurückkam. Zudem fehlte ihr die Stadt, das pulsierende Leben dort und ganz besonders ihre Freunde und das kulturelle Angebot. In der Großstadt konnte man abends immer etwas unternehmen. Hier draußen gab es kein Theater, keine Kinos, kaum Gasthäuser. Nichts, wo man auf fremde Menschen traf. Die, die in der Gegend wohnten, hatten sie sowieso schon kennengelernt, und insgesamt waren es zu wenige, als daß sich ein Theater oder Kino rentiert hätte. Read more »